Die Grätsche – Eine aussterbende Kunst

Es ist an der Zeit, einer der großen Faszinationen des Fußballs zu huldigen. Eine aussterbende Kunst.

Von Kevin Albrecht

Der moderne Fußball mag dich nicht, Verteidiger verzichten auf dich. Die Fußballsprache ächtet dich durch Zusammensetzungen mit „Blut-…“ oder „Todes-…“. Feinschmecker nennen dich dumm oder unnötig. Schiedsrichter mochten dich noch nie, bestrafen deine Erzeuger mit gelben und roten Karten. In den Interviews danach wirst du verleugnet. Es wird sich für dich entschuldigt. Bei gegnerischen Fans rufst du Pfeifkonzerte hervor. Trainer schütteln verächtlich die Köpfe. Du bist zur Rarität geworden. Du stammst aus einer Zeit als Verteidiger noch keine forecheckenden Modellathleten waren, sondern langbeinige Eisenfüße mit Kneipenschlägervisage. Du bist das Gegenteil von „spielerisch gelöst“. Die Sperre im nächsten Spiel ist dir egal.

Dabei bist du der Rettungsanker einer jeden ausgespielten Abwehr, ein schraubstollenes Manifest gegen jeden arroganten Dribbelkünstler. Der Zündfunke, der aus einer lahmen Partie einen emotionsgeladenen Ritt auf der Rasierklinge macht. Mit deiner schroffen Eleganz bist du manchmal schöner als jedes Traumtor der Welt. Liebe Grätsche, bleib uns noch ein bisschen erhalten.

Mehr davon gibt’s im Drübergehalten-Podcast.

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